Meine Reise mit dem Adler

Wie ich Preußen Münster neu entdecken will

Anfang der 90er. Münster war noch weit entfernt von der Stadt, die sie heute ist. Klar, es gab auch damals schon Nieselregen, Kirchenglocken, Beamte und Studierende – aber nicht in meiner kleinen Welt. 1990 war ich 13. Ich interessierte mich immer mehr für Fußball, hatte kurz überlegt, selbst im Verein zu spielen, und es dann doch wieder verworfen. Samstags lief die Sportschau, und ich hatte mir einen Erstligisten als Lieblingsclub ausgesucht – die graue Maus der Liga. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich vermute, jeder, der nicht im Pott oder in einer Stadt mit Bundesligaverein aufgewachsen ist, trägt zwei Herzen in der Brust: eines für den großen Erstligaclub, eines für den Verein der Heimat. Bei mir waren das die Preußen.

Das Spiel, das blieb

Zu den Spielen meines Erstligisten konnte ich nicht fahren, also schwang ich mich sonntags ab und zu aufs Rad und fuhr an die Hammer Straße. Mal war das begeisternd, mal weniger – aber das Spiel vom 18. März 1990 gegen Schalke 04 werde ich nie vergessen.

Im Tor stand damals Jens Lehmann, der spätere Elfmeterheld und Kettensägenbesitzer. Auf dem Feld kämpften Anderbrügge, Müller und Sendscheid, auf der Bank saß DER Peter Neururer. 28.000 Zuschauer drängten sich im Stadion – so viele wie nie wieder. Preußen lag nach 24 Minuten zurück, kurz darauf flog Egon Flad vom Platz, und Münster drehte mit einem Mann mehr das Spiel. Ulli Gäher und Guido Fleige schafften die Sensation. Ein Stadion bebt, Münster tobt, und irgendwo mittendrin steht ein 13-Jähriger mit Gänsehaut. Diese 90 Minuten sind nie wieder gegangen.

Danach? Langes Schweigen zwischen mir und den Preußen. Leben, Arbeit, Bundesliga im Fernsehen. Aber die Erinnerung blieb – hartnäckig wie das Pfeifen der Schiri-Pfeife von damals.

Ein Neubeginn

Jetzt will ich zurück. Nicht nostalgisch, sondern neugierig. Ich will wissen, wer dieser Verein heute ist, was ihn ausmacht, wer ihn trägt. Ich will den Preußen-Adler neu sehen, so wie andere zum ersten Mal hinschauen. Vielleicht ist es eine Entdeckungsreise. Vielleicht eine Rückkehr. Und vielleicht – ganz vielleicht – spüre ich dabei wieder dieses Beben von damals.

Vielleicht begleitet ihr mich ja dabei.